Psyche

Seelische Gesundheit bei MS

Die Multiple Sklerose hat - wie alle chronischen Erkrankungen - im starken Maße Auswirkungen auf die seelische Gesundheit der Betroffenen. Die Unvorhersehbarkeit der Krankheit, die Vielfalt der Symptome, und die Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten führen oft zu psychischen Belastungen, die allein schwer zu bewältigen sind.

Das Leben gerät aus den Fugen. Das seelische Gleichgewicht ist gestört. Die Arbeitsfähigkeit kann beeinträchtig sein, der Arbeitsplatz ist  bedroht und Erwerbsunfähigkeit vielleicht die Folge. Dies führt unter Umständen zusätzlich zu enormen psychischen Problemen.

Familie und Freunde können den an Multiple Sklerose erkrankten Menschen Halt bieten und ihn unterstützen, sind aber in vielen Fällen erst einmal selbst überfordert. Hilflosigkeit bei den Erkrankten und auch bei den Angehörigen ist oft die erste Reaktion auf diese schwere Lebenskrise. Aber wie bei allen schweren Krisen lassen sich auch die mit der MS-Erkrankung einhergehenden psychischen Probleme bewältigen und das seelische Gleichgewicht lässt sich wieder herstellen. Hierbei kann die Unterstützung von professioneller Beratung eine große Hilfe sein.

Seit Juni 2023 bietet die Freie Universität Berlin immer montags eine neuropsychologische Sprechstunde speziell für MS-Erkrankte an. Mitglieder der DMSG Berlin können sich für die Vermittlung eines zeitnahen Termins an die Geschäftsstelle des Landesverbandes wenden.

Zu den unsichtbaren Symptomen, die bei MS auftreten können, gehören unter anderem kognitive Probleme. Allerdings sind Veränderungen in kognitiven Bereichen wie Aufmerksamkeit oder Erinnerung mit zunehmendem Alter auch erwartbar. In der neuropsychologischen Sprechstunde der Freien Universität Berlin können MS-Erkrankte seit Juni abklären lassen, ob in einem kognitiven Bereich tatsächlich ein Defizit vorliegt. Zudem können sie sich beraten lassen, wie hier gegebenenfalls Abhilfe geschaffen werden kann.

Ablauf der Sprechstunde

In einem telefonischen Vorgespräch erfasst das Team der neuropsychologischen Sprechstunde zunächst allgemein die Lage der Beschwerden. Verfügen die jeweiligen MS-Erkrankten über Internet und eine E-Mail-Adresse, erhalten sie den Link zu einem Online-Test, den sie ungestört zu Hause durchführen sollten (Dauer: circa 30 bis 40 Minuten). „Die Daten werden mithilfe eines zu Beginn des Tests erstellten persönlichen Codes pseudonymisiert übermittelt“, erklärt Prof. Dr. Michael Niedeggen vom Arbeitsbereich Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie der Freien Universität. „Sie geben wichtige Hinweise auf den Schweregrad der Problematik und erlauben eine bessere Planung der Untersuchung.“ Haben die MS-Erkrankten das Screening abgeschlossen, teilen sie dies telefonisch oder per Mail mit und ein Untersuchungstermin vor Ort wird vereinbart. Besteht kein Zugang zum Internet, wird er direkt vereinbart.

Bei der Untersuchung vor Ort (Dauer: circa 90 Minuten) liegt der Schwerpunkt auf neuropsychologischen Testverfahren, die gezielt die Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Planungsfunktionen erfassen. Sie findet, je nach Belastungsfähigkeit der Patient*innen, entweder vormittags oder nachmittags statt. Pausen sind jederzeit möglich. Die Ergebnisse werden sofort ausgewertet und mit den zuvor berichteten Beschwerden abgeglichen. „Im anschließenden Beratungsgespräch gehen wir auf den Zusammenhang zwischen den Alltagsbeschwerden und den Testergebnissen genauer ein“, so Michael Niedeggen. „Abschließend sprechen wir mit den Patient*innen über geeignete Interventionen, zum Beispiel spezifische Trainingsverfahren oder Anlaufstellen, die die subjektiven und objektiven Beschwerden adressieren.“ Um weitere Schritte angehen zu können, erhalten die Patient*innen einen kurzen schriftlichen Befund.

Angebot und Anmeldung

Die neuropsychologische Montagssprechstunde für MS-Erkrankte bietet die FU Berlin vorerst bis Ende des Jahres an. „Wird das Angebot angenommen, werden wir definitiv versuchen, es fortzuführen“, führt Michael Niedeggen aus. Weiterhin sei geplant, das Thema MS beziehungsweise die Ansprache von MS-Erkrankten unter Einbindung von Expert*innen der DMSG Berlin in den Lehrplan für Master-Studierende mit Schwerpunkt Neuropsychologie zu integrieren. „Art und Umfang dieser Lehreinheiten hängen von der Resonanz der Sprechstunde ab.“

Mitglieder der DMSG Berlin können sich für die Vermittlung eines Termins – möglichst unter Angabe von Telefonnummer und E-Mail-Adresse – an die Geschäftsstelle des Landesverbandes wenden:
 info(at)dmsg-berlin.de
 030 / 313 06 47
Das Team der neuropsychologischen Sprechstunde kontaktiert daraufhin die jeweiligen Interessent*innen für das notwendige Vorgespräch und die Klärung der Details.

Neuropsychologische Sprechstunde
Rost-/Silberlaube FU Berlin
Habelschwerdter Allee 45
Raum JK 26/115
14195 Berlin
 neuropsychologie(at)fu-berlin.de
 030 / 838 56774

Weiterführende Informationen

DMSG-Broschüre
Krankheitsbewältigung - aktiv und selbstbestimmt (2017)

DMSG-Broschüre
Lebensqualität mit MS (2017)

Die Fachinformationen auf dieser Seite wurden zusammengetragen vom Ärztlichen Beirat der DMSG LV Berlin e. V. 

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