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Multiple Sklerose

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (kurz MS genannt) ist eine chronische Krankheit, die die Nervenbahnen im Gehirn und im Rückenmark befällt. Hierbei werden zunächst die Schutzschichten (das Myelin) der Nervenleitungen angegriffen und zerstört. Die Angriffe erfolgen an unterschiedlichen Stellen. Man spricht deshalb von multipler, also vielfacher Sklerose.

An den angegriffenen Stellen entstehen Narben, und der Körper ersetzt die zerstörte Myelinschicht durch hartes (sklerosiertes) Gewebe, das aber nicht mehr in der Lage ist, die elektrischen Nervensignale weiterzuleiten. Die Folge sind Störungen des Gehvermögens, der Bewegungsabläufe der Arme und Hände, Taubheitsgefühle, Missempfindungen sowie Störungen des Seh- und Sprachvermögens. Später im Verlauf kommt es auch zu einem Untergang von Nervengewebe selbst. Es spricht viel dafür, dass sich hinter der MS unterschiedliche Krankheitsmechanismen verbergen.

Eine Erkrankung an MS muss nicht zwangsläufig schwer verlaufen. MS bricht meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus, wobei Frauen stärker gefährdet sind als Männer (Verhältnis ca. 3:2).

Ein akuter MS-Schub liegt vor:

  • wenn sich frühere oder neu auftretende Symptome (z.B. Sehstörungen, Kribbeln, Lähmungen, Taubheitsgefühl, Koordinationsstörungen etc.) innerhalb von Stunden oder Tagen entwickeln,
  • wenn diese Beschwerden länger als 24 Stunden andauern und nicht durch eine fieberhafte Erkrankung bedingt sind (diese schließt einen Schub nicht aus),
  • wenn sie mit einem zeitlichen Abstand zum letzten Ereignis auftreten.

Ein Schub bedeutet die Entstehung einer oder mehrerer Entzündungsherde oder Reaktivierung bereits vorhandener. Bei gravierenden Schüben kommt in der Regel hochdosiertes Kortison (Methylprednisolon) zum Einsatz, das die Entzündungsherde stoppt und die daraus entstehenden Symptome schneller zurückbildet. Dieses Kortison wird über 3-5 Tage 1g täglich nach Möglichkeit als Kurzinfusion in der Arztpraxis/Klinik verabreicht.

Kortison ist wegen seiner möglichen Nebenwirkungen (Osteoporose, Akne, Diabetes, Blutdruckanstieg, Gewichtszunahme, Infektanfälligkeit) nicht für eine Langzeittherapie geeignet. Die Behandlung mit Kortison kann die Fortentwicklung der MS nicht verhindern, jedoch die Rückbildung des Schubs und die Linderung der akuten Beschwerden bewirken.

Falls diese Therapie versagt, besteht die Möglichkeit der Wiederholung mit einer höheren Dosis.

Führt auch dieses nicht zum gewünschten Erfolg, kann bei behinderndem Defizit ein sog. Aphereseverfahren (Plasmapherese oder Immunadsorption) sinnvoll sein. Dabei wird das Blut über einen Katheter aus einer größeren Vene entnommen (ähnlich wie bei der Dialyse) und bestimmte Eiweiße bzw. Entzündungsstoffe entfernt. Diese Verfahren werden in der Regel 4 bis 5 mal umtägig in der Klinik durchgeführt.

Die Multiple Sklerose zeigt bei jedem Menschen andere Symptome, wirkt sich bei jedem Betroffenen individuell aus. Auch bei ein und derselben Person variieren die Symptome im Verlauf der Erkrankung sowohl bezüglich des Schweregrads als auch bezüglich der Dauer ihres Auftretens. Die meisten Erkrankten leiden an mehr als einem Symptom. Einige Symptome kommen in größerer Häufigkeit vor. „MS ist die Krankheit mit den tausend Gesichtern“. Es gibt schwere und weniger schwere Verläufe, gravierende und leichtere Ausfälle, sichtbare und unsichtbare Einschränkungen. Die Unterschiedlichkeit der Symptome hängt davon ab, welche Gebiete des zentralen Nervensystems (Gehirn- und Rückenmark) betroffen sind und wie stark sie in den Krankheitsprozess einbezogen sind.

Jeder Kranke hat eine individuelle Kombination z.B. folgender Symptome: 

  • Empfindungsstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Sehstörungen (Sehschwäche, Doppelbilder)
  • Müdigkeit (Fatique)
  • MuskelschwächeMuskelsteife (Spastik)
  • Sprech- und Schluckstörungen
  • Kognitive Störungen (z.B. Konzentration u. Gedächtnisstörungen)
  • Schwindel
  • Schmerzen
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Blasen- und Darmstörungen

Es gibt keine typische MS. Daher braucht jeder MS-Kranke individuelle Beratung und Hilfe.

Die MS-Gesellschaften sind die Mittler zu Fachärzten, Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeitern. Wenden Sie sich deswegen unbedingt an Ihren Landesverband unter der Telefonnummer 313 06 47.

Der Verlauf und die Entwicklung der MS wird durch Medikamente, die die Aktivität des Immunsystems verändern (Immunmodulatoren) oder unterdrücken (Immunsupressiva) dauerhaft beeinflusst, mit dem Ziel, die Anzahl der Schübe zu vermindern, deren Schwere zu mildern und bleibende Behinderungen hinauszuzögern.

Bei solchen Langzeittherapien spielen die folgenden Medikamente eine entscheidende Rolle:

Immunmodulatoren

Interferone

Interferon-beta (IFN-b), das auch von unserem Körper gebildet wird, ist ein Immunmodulator, der bestimmte Entzündungsvorgänge unterdrücken kann. Die Bindung von Interferonen an Rezeptoren der Zellen führt zu verschiedenen Immunreaktionen. Zwar ist der genaue Wirkungsmechanismus bei der MS nicht geklärt. Nachweislich wird aber der Verlauf der Erkrankung durch eine immunmodulatorische Wirkung positiv beeinflußt

Die IFN-b Produkte erscheinen unter dem Produktnamen

  • Avonex
  • Betaferon
  • Rebif
  • Extavia

Glatirameracetat

Glatirameracetat (Handelsname Copaxone) ist ein synthetisches Eiweißgemisch, das einem Bestandteil der Isolierschicht der Nervenfasern ähnelt. Auch Copaxone gehört zur Gruppe der Immunmodulatoren. Es blockiert einerseits die schädlichen Immunzellen, andererseits fördert es die Aktivität regulierender Immunzellen, die im Gehirn entzündliche Reaktionen unterdrücken können.

Natalizumab

Natalizumab (Handelnsname Tysabri ), ein sog. monoklonaler Antikörper, wird eingesetzt, wenn Interferone oder Glaterimeracetat nicht wirken (Eskalationstherapie) oder schon als Ersttherapie bei sehr aggressivem schubförmigen Verlauf der MS.Der Wirkstoff hindert Immunzellen daran, ins zentrale Nervensystem einzudringen und Entzündungen zu verursachen. Alle 28 Tage wird das Medikament per Infusion in die Vene verabreicht. Die Behandlung wird generell gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Harnwegsinfekte, allergische Reaktionen und Fieber. In wenigen Fällen kam es zur Bildung von Antikörpern gegen Tysabri, die die Wirkung beeinträchigten. Als sehr gefährliche und gefürchtete Nebenwirkung kann es in seltenen Fällen zu einer PML (Progressive Multilokuläre Leukenzephalopathie) kommen. Dies ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns, ausgelöst durch den weit verbreiteten JC-Virus. Die Gefahr dieser Erkrankung steigt bei Trägern des Virus (ca. 50-60% der Bevölkerung) mit der Dauer der Infusionsbehandlung und bei Vorbehandlung mit immunsuppressiven Medikamenten. Deshalb unterliegt die Behandlung mit Tysabri strengen Sicherheitsbestimmungen. Laut klinischen Studien werden die Schübe durch dieses Medikament um ca. zwei Drittel reduziert.

Fingolimod

Fingolimod (Handelsname Gylenia) ist (abgesehen von dem nur noch selten verabreichten Azathioprin) das erste oral zu verabreichende Medikament gegen MS und wurde im Jahr 2011 zugelassen. Die Wirkung wird durch das Zurückhalten von aktivierten Lymphozyten in den Lymphknoten erreicht, die damit nicht in das ZNS gelangen können. Damit wird eine deutliche Reduzierung der Schubfrequenz erreicht. Die Zulassungskriterien entsprechen denen des Natalizumab, d.h., der Einsatz erfolgt erst bei Therapieversagen der Basimedikamente oder bei sehr aggressiven Verlaufsformen. Die Ersteinstellung erfordert besondere Sicherheitsmaßnahmen (Herz-Kreislaufüberwachung), da es anfänglich selten zu Nebenwirkungen am Herzen kommen kann. Meistens kommt es zu einem vorübergehenden leichten Abfall der Herzfrequenz. Zur Sicherheit sind weitere ärztliche Untesuchungen in bestimmten Abständen notwendig.

Immunsuppressiva

Wenn immunmodulierende Therapien nicht genügend wirksam sind, kommen heute folgende Immunsuppressiva zur Anwendung:

  • Mitoxanthron
  • Cyclophosphamid
  • Methotrexat

Es sind Medikamente, die ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt wurden. Sie drosseln das Immunsystem und werden nur bei einem sehr aggressiven Verlauf der MS als Präparate „zweiter Wahl“ eingesetzt, zum Teil auch in der Phase des sekundär progredienten Verlaufes.

Diagnose

Die Diagnose der MS kann anfänglich schwierig sein. Erstsymtome sind oft undeutlich, weil sie meist unsichtbar sind, oft nur temporär auftreten und wieder verschwinden. Beschwerden werden oft von Außenstehenden als subjektiv, neurotisch oder hypochondrisch betrachtet.

Der zunächst aufgesuchte Hausarzt zögert in der Regel einen MS-Verdacht auszusprechen. Der Neurologe legt sich diagnostisch erst dann fest, wenn Belege für neurologische Störungen in wenigstens zwei verschiedenen Regionen des zentralen Nervensystems vorliegen und diese Symptome in zwei Schüben auftraten, die mindestens einen Monat auseinander lagen und 24 Stunden andauerten oder aber spezifische Befunde in der Kernspintomographie (MRT, Magnet-Resonanz-Tomographie) vorliegen.

Für eine definitive Diagnose kommt erschwerend hinzu, dass die frühen Erscheinungsformen der MS auch bei anderen Leiden auftreten können, die ausgeschlossen werden müssen. Letzte Sicherheit über die tatsächliche Erkrankung der MS erlangen Betroffene erst nach einer eingehenden Anamnese durch den behandelnden Neurologen und nach der Durchführung modernster medizintechnischer Verfahren wie die o.g. MRT, elektrophysiologischer Untersuchungen und meistens einer LP (Lumbalpunktion) .

Tritt bereits zu Beginn der Erkrankung ein klassisches Symptom der MS auf, wie z.B. die „Opticusneuritis“, oder hat der Arzt einen entsprechenden Verdacht,wird er weitergehende Untersuchungen veranlassen, um eine MS-Diagnose zu sichern oder auszuschließen. Nicht selten bleibt zunächst eine gewisse Unsicherheit bestehen.

Die MS-Diagnose ist für Betroffene wie auch Angehörige immer ein Schock. Schreckensbilder von völliger Immobilität, Pflegebedürftigkeit und totalem Abbruch aller normalen Lebensbezüge machen sich breit. In dieser Anfangsphase wird oft nicht realisiert, dass der Verlauf der MS individuell sehr unterschiedliche Schweregrade aufweist und die körperlichen Einschränkungen keineswegs immer zur Berufsunfähigkeit und Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben führen. Zudem kann die moderne Medizin heute den Krankheitsverlauf in den meisten Fällen positiv beeinflussen. Die meisten MS-Betroffenen können trotz dieser Krankheit ein produktives und sinnhaltiges Leben führen.

Untersuchungsmethoden

Bis zur endgültigen Diagnosestellung der MS werden eine Reihe von Untersuchungsmethoden durchgeführt.

Anamnese

Der Arzt befragt den Patienten nach Beginn und Entwicklung der Beschwerden. Frühere leichte und nicht beachtete Störungen, z.B. vorübergehende Kribbelmißempfindungen, können für ihne wichtig sein. gelegentlich bezieht er die Beobachtung und Feststellung von Angehörigen und Drittpersonen mit ein.

Blutuntersuchung

Der Nachweis der MS im Blut ist bisher nicht möglich. Blutuntersuchungen dienen aber dem differenzialdiagnostischen Auschluß anderer Erkrankungen.

Neurologische Untersuchung

Der Arzt prüft die Hirn- und Nervenfunktionen (Neurostatus).  Die Untersuchung schließt die Funktion der Hirnnerven und Sinnesorgane wie z.B. das Sehvermögen, die Sprache, die Schmerz-und Berührungsempfindung, die Muskelkraft  und ggf. Tonuserhöhiungen (Spastik), die Koordination und Weiteres ein.

Evozierte Potenziale

Elektrische Signale, die nach einer wiederholten Stimulation bestimmter Nerven zum Gehirn geleitet werden und hier über am Kopf aufgelegte Elektroden erfaßt werden können,   geben Auskunft über die normale oder gestörte Leitfähigkeit bestimmter Nervenbahnen. Bei MS kann die Erregungsleitung verzögert oder ganz unterbrochen sein. Von besonderer Bedeutung, auch für die Frühdiagnose, sind die schmerzlos ableitbaren visuell evozierten Potenziale (VEP), die Auskunft über die Funktion der Sehnerven geben.

Lumbalpunktion (LP)

Aus dem Rückenmarkskanal wird etwas Nervenwasser entnommen (Liquor). Finden sich in dieser Flüssigkeit eine erhöhte Zellzahl und/oder sog. oligoklonale Banden, also eine Art Eiweißmuster, kann man auf entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem schließen.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die hochempfindliche MRT nimmt heute in der Diagnostik und Verlaufsbeurteilung der MS eine zentrale Stellung ein. Das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) wird mittels eines starken Magnetfelds (keine Röntgenstrahlen) bildlich dargestellt. Durch ein Kontrastmittel (intravenös) können aktive Entzündungsherde sichtbar gemacht werden. Das Alter der Läsionen und Ausmaß der Zerstörungen des Gewebes werden durch verschiedene MRT- Messmethoden darstellbar.

Elektroenzephalogramm

Das EEG wird nur in seltenen Fällen als zusätzliche Untersuchung nötig.

Neurologen gehen davon aus, dass bei der chronisch-progredienten Verlaufsform der MS neurodenegerative (nervenzerstörende Prozesse) entscheidend sind und die entzündliche Komponente der Krankheit keine wesentliche Rolle spielt.

Die bisher aufgeführten Medikamente der Basistherapie für die schubförmige MS werden maßgeblich gegen die Entzündung des Nervensystems eingesetzt und zeigten in Studien mit chronisch-progredienter MS keine so gute Wirkung. Hier ist oft Mitoxanthron hilfreich, kann aber unter speziellen Vorsichtsmaßnahmen (regelmäßige Herz-Echo-Untersuchungen, Blutbild) nur bis zu einer bestimmten Gesamtmenge gegeben werden.

Der Verlauf der MS ist sehr variabel und schwer vorhersagbar. Sie kann gleichmäßig fortschreitend verlaufen (man spricht dann von progedient), meistens aber verläuft sie, zumindest in den ersten Jahren, in Schüben.

Studien der vergangenen Jahre konnten die Wirksamkeit weiterer Medikamente bei der schubförmigen MS belegen oder stehen kurz vor dem Abschluss. In den nächsten Monaten sind damit die Zulassungen weiterer Medikamente zu erwarten, die das Spektrum der Therapiemöglichkeiten erweitern, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen werden.

Über die Ursachen der MS liegen viele Hypothesen, aber wenig gesicherte Ergebnisse vor. Nach neueren Erkenntnissen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass bei der Krankheitsentstehung mehrere Faktoren eine Rolle spielen, wobei einer Fehlsteuerung des Immunsystems besondere Bedeutung zuzukommen scheint. Diese dürfte durch genetische Faktoren sowie Umwelteinflüsse bedingt sein. Vermutet werden z.B. Einflüsse bestimmter Virusinfektionen oder ein zu geringer Vitamin-D-Spiegel.

Eine große Anzahl MS-Betroffener unterzieht sich Therapien aus dem Bereich der Komplimentärmedizin. Da die gegenwärtig praktizierenden MS-Therapien mit immunmodulierenden oder immunsuppressiven Medikamenten nicht immer die Erwartungen der Betroffenen erfüllen, die Krankheit nur temporär aufhalten können und häufig mit unangenehmen Nebenwirkungen behaftet sind, ist das Interesse an alternativen Therapien groß. Leider fehlt bisher für die unterschiedlichen Alternativmethoden der wissenschaftliche Nachweis, dass sie bei MS wirksam sind. Dennoch darf die Hilfe begleitender Therapien, die Körper und Geist aktiv und beweglich halten, nicht unbeachtet bleiben.

Die MS-Gesellschaft bietet speziell für MS-Erkrankte alternative Therapien in ihren Räumen an.

Um die Diagnose MS zu stellen, müssen spezielle Kriterien erfüllt sein. Heute allgemein akzeptiert werden die sog. Mc Donald-Kriterien herangezogen (letzte Revision 2010) Während frühere Kriterien der Untersuchung des Liquors einen hohen Stellenwert einräumten (Poser 1983), wird heute die Bedeutung der MRT-Bildgebung betont. Verfeinerte Untersuchungsmöglichkeiten der MRT und entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse haben diesen Wandel herbeigeführt. Grundprinzip ist der Nachweis einer sog. räumlichen (ZNS) und zeitlichen Dissemination sowie der Ausschluss einer alternativer Diagnosen.

Die Diagnosestellung „MS“ kann danach gestellt werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

Klinische Präsentation

Zusätzlich erforderliche Daten

 
  • Zwei oder mehr Schübe
  • Zwei oder mehr klinisch objektivierbare Läsionen oder
  • Objektiver klinischer Nachweis einer Läsion und angemessenen Beweis für einen vorangegangenen Schub
 
 
  • keine
 
 
  • Zwei oder mehr Schübe;
  • objektivier klinischer Nachweis einer Läsion
 
 
  • Räumliche Dissemination, Nachweis durch MRT
  • oder Abwarten eines weiteren Schubes anderer Lokalistaion
 
 
  • Ein Schub;
  • objektiver klinischer Nachweis von zwei oder mehr Läsionen
 
 
  • Zeitliche Dissemination , Nachweis durch MRT
  • oder Abwarten eines zweiten klinischen Schubes
 
 
  • Ein Schub
  • objektivierbarer klinischer Nachweis einer  Läsion
 
 
  • Nachweis einer räumlichen Dissemination durch MRT
  • oder Abwarten eines weiteren klinischen Schubes anderer Lokalisation und Nachweis einer zeitlichen Dissemination (MRT)
 
 
  • Schleichende neurologische Progression, vereinbar mit MS (PPMS)
 

Kontinuierliche klinische Progression (retrospektiv oder prospektiv bestimmt) über ein Jahr und zwei der drei folgenden Punkte:

  • räumliche Dissemination im Gehirns (MRT) mit einer oder mehr T2-Läsionen in charakteristischer Region
  • räumliche Disemination des Rückenmarks (MRT) (zwei oder mehr T2-Läsionen)
  • positiver Liquorbefund (Oligoklonale Banden/Intrathekale IgG-Synthese)
 

Für gesunde wie auch kranke Menschen gilt das Gebot, sich gesund zu ernähren.

Besonders für Menschen mit schweren Erkrankungen, so auch für MS-Betroffene, gibt es unzählige Ernährungsempfehlungen und propagierte Diäten. Wenn diese mit Heilungsversprechen verbunden sind, ist Skepsis geboten. Wichtiger Grundsatz bleibt: ausgewogene Ernährung. Sie fördert das allgemeine Wohlbefinden und unterstützt das Funktionieren der Verdauung. Letzteres ist besonders bei Bewegungseinschränkung wichtig.

Erwiesen ist, dass bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen bestimmte diätetische Maßnahmen Entzündungsprozessen vorbeugen oder diese abschwächen können. Man geht davon aus, dass diese Erkenntnisse auch für MS gelten. Gesättigte Fettsäuren (Omega 6), die entzündungsfördernd sind, müssen daher vermieden und durch andere ungesättigte (Omega 3-Fettsäuren) ersetzt werden.

Praktische Tipps für den Alltag

Für eine ausgewogene Ernährung, bei der entzündungsfördernde Fette vermieden werden, genügen einfache Regeln:

  • Insgesamt wenig Fett zu sich nehmen
  • Nur zweimal Fleisch pro Woche (besser weißes Fleisch wie Geflügel und Kaninchen)
  • fünf Portionen Früchte oder Gemüse pro Tag (vor allem grünes Blattgemüse und Blattsalate)
  • mindestens zweimal Fisch pro Woche
  • "gute" Öle verwenden: Olivenöl, Rapsöl,
  • folgende Öle meiden: Sonnenblumen-, Maiskeim-, Distel- und Traubenkernöl, auch Margarine aus diesen Ölen
  • genügend trinken (2 - 2.5 Liter pro Tag)

Viele industriell gefertigte Backwaren (Teig, Aufbackbrote etc.) enthalten Fette, die aus Schlachtabfällen gewonnen werden, so genannte versteckte tierische Fette, die man besser meidet. Fertigprodukte enthalten zudem meist zu viel Salz.

Rauchen

Es ist erwiesen, dass das Rauchen neben anderen gesundheitsschädlichen Wirkungen auch den Verlauf der MS ungünstig beeinflusst.

Schwere und Art der Beeinträchtigung durch Multiple Sklerose werden mittels einer Skala, der so genannten Kurtzke-Skala, erfasst. Diese wird auch EDSS- Einteilung genannt (Expanded Disablity Status Scale) und liefert detaillierte Angaben über den Behinderungsgrad auf einer Skala von 1-10. Mit Hilfe dieser Skala stellt der Arzt immer wieder neu fest, welche Einschränkungen auf Grund der MS vorliegen. Er kann so den Krankheitsverlauf nach international einheitlichen Kriterien erfassen. Die Skala basiert auf einer standardisierten neurologischen Untersuchung, anhand derer acht Funktionssysteme bewertet werden: Kleinhirn, Hirnstamm, Motorik, Blase-und Mastdarm, Sehvermögen, Sensibilität, mentale und andere Funktionen. Neue Skalen, die zurzeit entwickelt werden, sollen noch weitere funktionale Beeinträchtigungen, (z.B. durch kognitive Störungen oder erhöhte Erschöpfbarkeit - Fatigue-) berücksichtigen.

Kurtzke- oder EDSS Skala

Einteilung der neurologischen Defizite bei MS nach Kurtzke
(Expanded Disability Status Scale) Punktwert 0 bis 10

Punktwert

Beschreibung

0,0

normaler neurologischer Untersuchungsbefund

1,0

keine Behinderung, geringfügige Störung in einem funktionellen System

1,5

keine Behinderung, geringfügige Störung in mehr als einem funktionellen System

2,0

leichte Behinderung in einem funktionellen System

2,5

leichte Behinderung in mehr als einem funktionellen System

3,0

mässige Behinderung in einem funktionellen System, oder leichte Behinderung in drei oder vier funktionellen Systemen, aber volle Gehfähigkeit

3,5

mässige Behinderung in zwei funktionellen Systemen, und leichte Behinderung in einem oder zwei funktionellen Systemen, aber volle Gehfähigkeit

4,0

gehfähig ohne Hilfe und Ruhepause für mindestens 500 Meter, am Tag während 12 Stunden aktiv trotz relativ schwerer Behinderung

4,5

gehfähig ohne Hilfe und Ruhepause für mindestens 300 Meter, ganztägig arbeitsfähig , aber mit gewissen Einschränkungen wegen relativ schwerer Behinderung

5,0

gehfähig ohne Hilfe und Ruhepause für mindestens 200 Meter, Behinderung schwer genug, um tägliche Aktivität zu beeinträchtigen

5,5

gehfähig ohne Hilfe und Ruhepause für mindestens 100 Meter, Behinderung schwer genug, um tägliche Aktivität zu verhindern

6,0

mit einseitiger oder zeitweiliger Unterstützung ohne Ruhepause gehfähig für etwa 100 Meter

6,5

mit dauernder, beidseitiger Unterstützung ohne Ruhepause gehfähig für etwa 20 Meter

7,0

unfähig, auch mit Unterstützung, mehr als 5 Meter zu gehen; weitgehend an den Rollstuhl gebunden, der ohne Hilfe benutzt werden kann

7,5

unfähig, mehr als ein paar Schritte zu gehen; an den Rollstuhl gebunden, der mit Hilfe benutzt wird

8,0

weitgehend an Bett oder Rollstuhl gebunden, pflegt sich weitgehend selbstständig mit meist gutem Gebrauch der Arme

8,5

auch während des Tages weitgehend ans Bett gebunden, teilweise selbstständige Pflege mit teilweise nützlichem Gebrauch der Arme

9,0

Bettlägerigkeit , aber Nahrungsaufnahme und Verständigungsvermögen erhalten

9,5

Völlige Hilflosigkeit mit gestörter Nahrungsaufnahme und Verständigung

10Tod durch MS