Gemeinsam mehr bewegen

Über 50 Selbsthilfegruppen nutzten am 11. Oktober 2019 beim Berliner Aktionstag Selbsthilfe auf dem Potsdamer Platz die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit vorzustellen. Klar, dass dabei auch das Thema MS nicht fehlen durfte. Deshalb betreuten die SHG „Wedding-Reinickendorf-Tiergarten“ und der Berliner Landesverband der DMSG zusammen einen Stand.

Unterschiedlichste Vereine, Projekte und Organisationen in mehr als 25 Pavillons und ein pralles Programm auf zwei Bühnen zeigten an dem Aktionstag, der vom Berliner Behindertenverband e. V. sowie von bipolaris e. V. und Selko e. V./SEKIS veranstaltet wurde, dass Selbsthilfe so vielfältig ist wie die vertretenen Themen. „Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag, dass Berlin eine lebenswerte Stadt bleibt.“ Dies stellte Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Berlin, gleich zur Eröffnung des Tages heraus – und dass es trotz gesellschaftlichem Wandel und Digitalisierung bei der Selbsthilfe immer darum gehe, gemeinsam, also face to face, ins Gespräch zu kommen, statt einsam vor dem Computer zu sitzen.

Neue Angebote kennenlernen

Deshalb konnten sich an diesem Tag alle Neugierigen unter dem Motto „Gemeinsam mehr bewegen“ nicht nur einen Überblick über die Vielfalt der Berliner Selbsthilfe verschaffen, sondern sich auch mit Betroffenen, Selbsthilfebegeisterten und Ehrenamtlichen austauschen. Ella Wassink, Geschäftsführerin des Selko e. V., brachte die Idee dahinter auf den Punkt: „Die Bürger sollen die Chance haben, Angebote kennenzulernen, die sie bis jetzt noch nicht kennen.“ Dass dies gar nicht so selten vorkommt, wurde auch am DMSG-Stand immer wieder deutlich. So waren viele Besucher über die große Zahl an MS-Gruppen – mittlerweile 28 – erstaunt, die über das Stadtgebiet verteilt sind, und eine Mutter, deren erwachsene Tochter vor Kurzem die Diagnose MS erhielt, war positiv überrascht, dass es neben dem umfangreichen Infomaterial sogar eine Gruppe für Angehörige von MS-Betroffenen in Berlin gibt.

Blickfang DMSG-Stand

Dass der Stand auch wirklich jedem Passanten ins Auge fiel, dafür sorgte das geballte Werbematerial der SHG „Wedding-Reinickendorf-Tiergarten“ und des Landesverbandes: neben Roll-up und Banner zum Beispiel eine ehemalige Schaufensterpuppe zur Veranschaulichung der vielen unsichtbaren MS-Symptome, die den einen oder anderen anwesenden Verein zu der Frage führte, woher man denn so eine Puppe bekomme, und zwei Aufsteller mit provokanten Sprüchen, die so auffällig waren, dass es sich Detlef Fronhöfer von der AOK Nordost bei einem Talk auf der Außenbühne nicht nehmen ließ, sie zu zitieren, als er auf die vielen Stände zu sprechen kam.

Diese Talkrunde war nur eine von vielen Gesprächen und Interviews an diesem Tag, bei denen Aktive genauso zu Wort kamen wie Betroffene. Sie erhielten darüber hinaus auch künstlerisch eine Stimme, durch zahlreiche musikalische Darbietungen – von Liedern und Tänzen der Selbsthilfegruppen für bosnische Frauen bis hin zu Rapper und Inklusionsbotschafter Graf Fidi. Im Hauptzelt gab es währenddessen einen Vortrag von Sven Marx, der sich vom Pflegefall zum Globetrotter auf dem Fahrrad aufgeschwungen hat, oder den VivaRhythm Drum Circle, der alle zum Mittrommeln einlud: „Gänsehaut-Feeling pur“, wie Cindy Herrmann vom DMSG-Team dieses Klangerlebnis zusammenfasste, das Zuschauern und Trommlern gleichermaßen an diesem doch recht ungemütlichen Herbsttag ordentlich einheizte.

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Besucher am DMSG-Stand