Samstag, 19.Mai 2012
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Neuropsychologie

Besonders die unsichtbaren Symptome der MS tragen zu Verunsicherung und Angst der Betroffenen bei und lassen sich Angehörigen und Mitmenschen schwer vermitteln.

Es sind dies die kognitiven Störungen, die Leistungen des Gehirns, wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Planen, Problemlösungen etc., betreffen und bei 45-65 % der MS-Kranken auftreten. Diese kognitiven Beeinträchtigungen sind nach heutiger medizinischer Erkenntnis unabhängig vom Verlaufstyp und der Dauer der Erkrankung.

Sie können erstes Anzeichen der MS sein, müssen jedoch im weiteren Verlauf nicht auftreten. Wenn sie sich im Schub manifestieren, können sie sich auch wieder zurückbilden.

Allgemeine Aussagen lassen sich also auch für diese neuropsychologischen Aspekte nicht machen. Die individuell so unterschiedliche Symptomatik macht es erforderlich, gründliche neuropsychologische Untersuchungen durchzuführen. Neurologische Untersuchungen reichen keinesfalls aus.

Bei MS sind in der Regel die Entzündungsherde über das ganze Gehirn verteilt (dissimeniert), so dass nicht nur die Motorik sondern auch die kognitiven Funktionen beeinträchtigt werden.

Am häufigsten treten Störungen in folgenden Bereichen auf:

  • Aufmerksamkeit
  • Langzeitgedächtnis
  • Konzeptbildung
  • Abstraktionsvermögen
  • Problemlösung

 

Die gravierendsten kognitiven Schädigungen zeigen sich in Aufmerksamkeitsstörungen. Diese treten in allen denkbaren Situationen und in unterschiedlichen Ausprägungen auf.

Für die Betroffenen und Angehörigen äußern sich Aufmerksamkeitsdefizite in Gedächtnisproblemen, rascher Ermüdbarkeit, gesteigertem Schlafbedürfnis, Verlangsamung, Ablenkbarkeit, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit und gesteigerter Empfindlichkeit.

Nur nach Feststellung des individuellen Beeinträchtigungsprofils eines Patienten kann ein gezieltes Funktionstraining geplant und aufgenommen werden. Die beeinträchtigten Aufmerksamskeitskomponenten werden einzeln und zeitlich nacheinander nach einem wissenschaftlich geprüften, neuropsychologischem Therapieverfahren trainiert.

Patienten zeigten nach zwölf 40 minütigen Sitzungen über 3 Wochen deutliche Funktionsverbesserungen. Die positiven Therapieaspekte blieben über den Untersuchungszeitraum von weiteren sechs Wochen (für die zuletzt trainierte Funktion) erhalten: geringere Ablenkbarkeit, verminderte Erschöpfbarkeit, reduzierte Verlangsamung, Gedächtnisstörungen können eine Folge der Aufmerksamkeitsminderung sein.

Bei MS zeigen sich am häufigsten Probleme mit dem Langzeitgedächtnis. Mit Hilfe neuropsychologischer Gedächtnistests wird festgestellt, welche Art der Störung vorliegt. Dann kann eine gezielte Therapie geplant werden, die eine auf den Alltag abgestimmte Strategien erarbeitet.

Die Erfahrung zeigt, dass ein beeinträchtigtes Gedächtnis durch Übungsbehandlungen nicht verbessert werden kann. Darüber hinaus müssen vom Therapeuten Einstellungs- und Verhaltensenderungen angeregt und unterstützt werden.

Für den Bereich der Wahrnehmungsprobleme d.h. Farbunterscheidung, Raumanalyse, Objekterkennung etc. fehlen bisher Studien über geeignete Therapieformen.

Damit kognitive Störungen überhaupt rechtzeitig erfasst werden, sind gründliche neuropsychologische, diagnostische Untersuchungen notwendig.
Erst dann kann ein individuelles Trainings- und Therapieprogramm aufgebaut werden.

Die Kernidee ist dabei, auf gesunden d.h. noch funktionsfähigen Hirnleistungen aufzubauen. So können Schädigungen (z.B. des Gedächtnisses) kompensiert d.h. auf Umwegen (über andere Hirnstrukturen) erfasst und teilweise aufgefangen werden.

Auch wenn neuropsychologische Therapien noch nicht über lange Zeiträume und nicht in nötigen Umfang erprobt sind, gibt es überzeugende Hinweise, dass sie wirksam sind.

Leider gibt es bisher nur wenige auf diesen wichtigen Bereich spezialisierte Kliniken.
Die unerlässliche Zusammenarbeit mit der Ergotherapie, Psychotherapie und Physiotherapie ist bei einer stationären Rehabilitation besonders gut gewährleistet.

 

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