neue Therapien
Zwei Substanzen, die in neuen Studien viel versprechend eingesetzt wurden, sind der
Wirkstoff FTY 720 (FINGOLIMOD), ein Medikament des Herstellers Novartis, und die FUMARSÄURE, die von der schweizerischen Pharmafirma Fumapharma entwickelt wurde.
Fingolimod ist ein neuer, oral verabreichter, Immunmodulator, der bewirkt, dass die Lymphozyten (bestimmte Zellen des Immunsystems) wieder in die Lymphknoten zurückwandern anstatt sich an den MS-typischen Entzündungsherden zu beteiligen.
In einer Phase II Studie wurde nachgewiesen, dass FTY720, wenn es über 6 Monate täglich als Tablette verabreicht wurde, eine signifikante Verringerung der MS-Aktivität bewirkte, d.h. die Schubrate ging um 50% zurück und die im MRT sichtbaren Entzündungsherde verringerten sich um bis zu 80%.
Die 255 Teilnehmer zeigten geringe Unverträglichkeiten, nur 9% brachen die Studie ab.
Diese erfolgreiche Studie ermutigte die Wissenschaftler jetzt zu zwei weltweit durchgeführten Phase III Studien mit jeweils mehr als 1000 Probanden, die an der schubförmigen MS erkrankt sind.
Eine der Studien vergleicht die Wirkung niedriger Dosierung von Fingolimod als in der vorangegangenen Studie mit Placebo, die andere Studie vergleicht die gleiche Dosierung von Fingolimod mit einmal wöchentlich verabreichtem Interferon –beta -1a.
Die besondere Wirkungsweise von Fingolimod und seine Verteilung im Körper lassen die Hoffnung zu, dass dieses neue Medikament auch bei einer progredienten MS wirksam sein könnte.
Leider wird es noch einige Jahre dauern bis FTY 720 auf den Markt kommt.
Das zweite, neue und interessante Präparat, die Fumarsäure, wird ebenfalls in Tablettenform verabreicht. Sie hat positive Auswirkungen auf die Entzündungsprozesse wie sie bei der schubförmigen MS vorliegen.
Zudem vermutet man, dass das Medikament Zellen direkt schützt, also einer Zerstörung von Nervenzellen und deren Fortsätzen entgegen wirkt.
An einer ersten Phase- II- Studie nahmen in Europa 257 Patienten mit schubartiger MS für die Dauer von 6 Monaten teil. Die mit einer höheren Dosierung des Medikaments behandelten Patienten zeigten im MRT eine Verringerung neuer Entzündungsherde um 69% sowie positive Resultate bezüglich der krankheitsbedingten Gewebsschädigungen.
Inzwischen laufen weltweit Phase-III-Studien auch mit Fumarsäure mit über 2000 Patienten.
Die weitere Erforschung des entzündungshemmenden und möglicherweise auch neuroprotektiven Medikaments könnte zu neuen Erkenntnissen über die Entstehungsmechanismen der Multiplen Sklerose führen.