Bildkollage mit Impressionen zur DMSG Berlin e.V.

Behandlung

Bis heute ist die MS nicht heilbar, meistens aber in ihrem Verlauf doch günstig beeinflußbar.  Einzelne Symptome lassen sich durch eine sog. symptomatische Therapie gezielt behandeln.

Die Behandlungsmöglichkeiten gliedern sich im Wesentlichen in folgende Bereiche:

  • Behandlung der Beschwerden beim akuten MS-Schub mit entzündungshemmenden Medikamenten
  • Langzeittherapie mit immunmodulierenden oder immunsuppressiven Medikamenten
  • Angepaßte Behandlung von Symptomen wie Muskelsteife, Schmerzen, Fatigue, Blasen -und Darmstörungen durch Physio- und Ergotherapien oder/und Medikamente oder Logopädie bei Sprach-oder Sprechstörungenstörungen.
  • Prävention von sekundären Beschwerden, z.B. Schmerzen aufgrund von Fehlhaltungen, durch gezieltes Körpertraining
  • Psychologische Unterstützung und soziale Beratung.

 

Schub

Ein akuter MS-Schub liegt vor:

  • wenn sich frühere oder neu auftretende Symptome (z.B. Sehstörungen, Kribbeln,Lähmungen,  Taubheitsgefühl, Koordinationsstörungen etc.) innerhalb von Stunden oder Tagen entwickeln
  • wenn diese Beschwerden länger als 24 Stunden andauern und nicht durch eine fieberhafte Erkrankung bedingt sind (diese schließt einen Schub nicht aus)
  • wenn sie mit einem zeitlichen Abstand zum letzten Ereignis auftreten.

 

Ein Schub bedeutet die Entstehung einer oder mehrerer Entzündungsherde oder Reaktivierung bereits vorhandener. Bei gravierenden Schüben kommt in der Regel hochdosiertes Kortison (Methylprednisolon) zum Einsatz, das die Entzündungsherde stoppt und die daraus entstehenden Symptome schneller zurück bildet. Dieses Kortison wird über 3-5 Tage 1g täglich nach Möglichkeit als Kurzinfusion in der Arztpraxis/Klinik verabreicht.

Kortison ist wegen seiner möglichen Nebenwirkungen (Osteoporose, Akne, Diabetes, Blutdruckanstieg, Gewichtszunahme, Infektanfälligkeit) nicht für eine Langzeittherapie geeignet. Die Behandlung mit Kortison kann die Fortentwicklung der MS nicht verhindern, jedoch die Rückbildung des Schubs und die Linderung der akuten Beschwerden bewirken.

Falls diese Therapie versagt, besteht die Möglichkeit der Wiederholung mit einer höheren Dosis.

 

Führt auch dieses nicht zum gewünschten Erfolg, kann bei behinderndem Defizit ein sog. Aphereseverfahren (Plasmapherese oder Immunadsorption) sinnvoll sein. Dabei wird das Blut über einen Katheter aus einer größeren Vene entnommen (ähnlich wie bei der Dialyse) und bestimmte Eiweiße bzw. Entzündungsstoffe entfernt. Diese Verfahren werden in der Regel 4 bis 5 mal umtägig in der Klinik durchgeführt.

 

Verlauf

Präventive Behandlung einer schubförmigen MS

Der Verlauf und die Entwicklung der MS wird durch Medikamente, die die Aktivität des Immunsystems verändern (Immunmodulatoren) oder unterdrücken (Immunsupressiva) dauerhaft beeinflusst, mit dem Ziel, die Anzahl der Schübe zu vermindern, deren Schwere zu mildern und bleibende Behinderungen hinauszuzögern.

Bei solchen Langzeittherapien spielen die folgenden Medikamente eine entscheidende Rolle:

Immunmodulatoren

Interferone

Interferon-beta (IFN-b), das auch von unserem Körper gebildet wird, ist ein Immunmodulator, der bestimmte Entzündungsvorgänge unterdrücken kann. Die Bindung von Interferonen an Rezeptoren der Zellen führt zu verschiedenen Immunreaktionen. Zwar ist der genaue Wirkungsmechanismus bei der MS nicht geklärt. Nachweislich wird aber der Verlauf der Erkrankung durch eine immunmodulatorische Wirkung positiv beeinflußt

Die IFN-b Produkte erscheinen unter dem Produktnamen

  • Avonex
  • Betaferon
  • Rebif
  • Extavia

 

Glatirameracetat

Glatirameracetat (Handelsname Copaxone) ist ein synthetisches Eiweißgemisch, das einem Bestandteil der Isolierschicht der Nervenfasern ähnelt. Auch Copaxone gehört zur Gruppe der Immunmodulatoren. Es blockiert einerseits die schädlichen Immunzellen, andererseits fördert es die Aktivität regulierender Immunzellen, die im Gehirn entzündliche Reaktionen unterdrücken können.

Natalizumab

Natalizumab (Handelnsname Tysabri ), ein sog. monoklonaler Antikörper, wird eingesetzt, wenn Interferone oder Glaterimeracetat nicht wirken (Eskalationstherapie) oder schon als Ersttherapie bei sehr aggressivem schubförmigen Verlauf der MS.Der Wirkstoff hindert Immunzellen daran, ins zentrale Nervensystem einzudringen und Entzündungen zu verursachen. Alle 28 Tage wird das Medikament per Infusion in die Vene verabreicht. Die Behandlung wird generell gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Harnwegsinfekte, allergische Reaktionen und Fieber. In wenigen Fällen kam es zur Bildung von Antikörpern gegen Tysabri, die die Wirkung beeinträchigten. Als sehr gefährliche und gefürchtete Nebenwirkung kann es in seltenen Fällen zu einer PML (Progressive Multilokuläre Leukenzephalopathie) kommen. Dies ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns, ausgelöst durch den weit verbreiteten JC-Virus. Die Gefahr dieser Erkrankung steigt bei Trägern des Virus (ca. 50-60% der Bevölkerung) mit der Dauer der Infusionsbehandlung und bei Vorbehandlung mit immunsuppressiven Medikamenten. Deshalb unterliegt die Behandlung mit Tysabri strengen Sicherheitsbestimmungen. Laut klinischen Studien werden die Schübe durch dieses Medikament um ca. zwei Drittel reduziert.

 

Fingolimod

Fingolimod (Handelsname Gylenia) ist (abgesehen von dem nur noch selten verabreichten Azathioprin) das erste oral zu verabreichende Medikament gegen MS und wurde im Jahr 2011 zugelassen. Die Wirkung wird durch das Zurückhalten von aktivierten Lymphozyten in den Lymphknoten erreicht, die damit nicht in das ZNS gelangen können. Damit wird eine deutliche Reduzierung der Schubfrequenz erreicht. Die Zulassungskriterien entsprechen denen des Natalizumab, d.h., der Einsatz erfolgt erst bei Therapieversagen der Basimedikamente oder bei sehr aggressiven Verlaufsformen. Die Ersteinstellung erfordert besondere Sicherheitsmaßnahmen (Herz-Kreislaufüberwachung), da es anfänglich selten zu Nebenwirkungen am Herzen kommen kann. Meistens kommt es zu einem vorübergehenden leichten Abfall der Herzfrequenz. Zur Sicherheit sind weitere ärztliche Untesuchungen in bestimmten Abständen notwendig.

Immunsuppressiva

Wenn immunmodulierende Therapien nicht genügend wirksam sind, kommen heute folgende Immunsuppressiva zur Anwendung:

  • Mitoxanthron
  • Cyclophosphamid
  • Methotrexat

Es sind Medikamente, die ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt wurden. Sie drosseln das Immunsystem und werden nur bei einem sehr aggressiven Verlauf der MS als Präparate „zweiter Wahl“ eingesetzt, zum Teil auch in der Phase des sekundär progredienten Verlaufes.

 

Behandlung der MS bei progrendientem Verlauf ohne Schübe

Neurologen gehen davon aus, dass bei der chronisch-progredienten Verlaufsform der MS neurodenegerative (nervenzerstörende Prozesse) entscheidend sind und die entzündliche Komponente der Krankheit keine wesentliche Rolle spielt.

Die bisher aufgeführten Medikamente der Basistherapie für die schubförmige MS werden maßgeblich gegen die Entzündung des Nervensystems eingesetzt und zeigten in Studien mit chronisch-progredienter MS keine so gute Wirkung. Hier ist oft Mitoxanthron hilfreich, kann aber unter speziellen Vorsichtsmaßnahmen (regelmäßige Herz-Echo-Untersuchungen, Blutbild) nur bis zu einer bestimmten Gesamtmenge gegeben werden.

 

Neue Therapien

Studien der vergangenen Jahre konnten die Wirksamkeit weiterer Mediakmente bei der schubförmigen MS belegen oder stehen kurz vor dem Abschluss. In den nächsten Monaten sind damit die Zulassungen weiterer Medikamente zu erwarten, die das Spektrum der Therapiemöglichkeiten erweitern, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen werden.

Komplementärrmedizin

Eine große Anzahl MS-Betroffener unterzieht sich Therapien aus dem Bereich der Komplimentärmedizin. Da die gegenwärtig praktizierenden MS-Therapien mit immunmodulierenden oder immunsuppressiven Medikamenten nicht immer die Erwartungen der Betroffenen erfüllen, die Krankheit nur temporär aufhalten können und häufig mit unangenehmen Nebenwirkungen behaftet sind, ist das Interesse an alternativen Therapien groß. Leider fehlt bisher für die unterschiedlichen Alternativmethoden der wissenschaftliche Nachweis, dass sie bei MS wirksam sind. Dennoch darf die Hilfe begleitender Therapien, die Körper und Geist aktiv und beweglich halten, nicht unbeachtet bleiben.

Die MS-Gesellschaft bietet speziell für MS-Erkrankte alternative Therapien in ihren Räumen an.

 

Ernährung

Für gesunde wie auch kranke Menschen gilt das Gebot, sich gesund zu ernähren.

Besonders für Menschen mit schweren Erkrankungen, so auch für MS-Betroffene, gibt es unzählige Ernährungsempfehlungen und propagierte Diäten. Wenn diese mit Heilungsversprechen verbunden sind, ist Skepsis geboten. Wichtiger Grundsatz bleibt: ausgewogene Ernährung. Sie befördert das allgemeine Wohlbefinden und unterstützt das Funktionieren der Verdauung. Letzteres ist besonders bei Bewegungseinschränkung wichtig.

Erwiesen ist, dass bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen bestimmte diätetische Maßnahmen Entzündungsprozessen vorbeugen oder diese abschwächen können. Man geht davon aus, dass diese Erkenntnisse auch für MS gelten. Gesättigte (Omega 6 -Fettsäuren, die entzündungsfördernd sind, müssen daher vermieden und durch andere ungesättigte (Omega 3-Fettsäuren) ersetzt werden.

 

Praktische Tipps für den Alltag

Ernährung

Für eine ausgewogene Ernährung, bei der entzündungsfördernde Fette vermieden werden, genügen einfache Regeln:

  • Insgesamt wenig Fett zu sich nehmen
  • Nur zweimal Fleisch pro Woche (besser weißes Fleisch wie Geflügel und Kaninchen)
  • fünf Portionen Früchte oder Gemüse pro Tag (vor allem grünes Blattgemüse und Blattsalate)
  • mindestens zweimal Fisch pro Woche
  • "gute" Öle verwenden: Olivenöl, Rapsöl,
  • folgende Öle meiden: Sonnenblumen-, Maiskeim-, Distel- und Traubenkernöl, auch
  • Margarine aus diesen Ölen
  • genügend trinken (2 - 2.5 Liter pro Tag)

Viele industriell gefertigte Backwaren (Teig, Aufbackbrote etc.) enthalten Fette, die aus Schlachtabfällen gewonnen werden, so genannte versteckte tierische Fette, die man besser meidet. Fertigprodukte enthalten zudem meist zu viel Salz.

Rauchen

Es ist erwiesen, dass das Rauchen neben anderen gesundheitsschädlichen Wirkungen auch den Verlauf der MS ungünstig beeinflusst.

 

Sport

Ausdauersportarten scheinen den Verlauf der MS günstig zu beeinflussen. Auch der allgemeine Gesundheitszustand wird verbessert. Daneben kann sportliche Betätigung in der Gruppe auch zu einer Intensivierung sozialer Kontakte genutzt werden.