Samstag, 19.Mai 2012
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Verlauf

Behandlung des Verlaufs einer schubförmigen MS

Der Verlauf und die Entwicklung der MS wird durch Medikamente, die die Aktivität des Immunsystems verändern (Immunmodulatoren) oder unterdrücken (Immunsupressiva) dauerhaft beeinflusst, mit dem Ziel, die Anzahl der Schübe zu vermindern, deren Schwere zu mildern und bleibende Behinderungen hinauszuzögern.

Bei solchen Langzeittherapien spielen die folgenden Medikamente eine entscheidende Rolle:

Immunmodulatoren

Interferone

Interferon-beta (IFN-b), das auch von unserem Körper gebildet wird, ist ein Immunmodulator, der bestimmte Entzündungsvorgänge unterdrücken kann. IFN-b macht die Bluthirnschranke für sog. T-Zellen, das sind aktivierte weiße Blutkörperchen des Immunsystems, undurchlässig. Die zerstörerischen Abwehrzellen können so nicht aus dem Blut in das Nervengewebe (Gehirn und Rückenmark) eindringen. Zusätzlich reduziert
IFN-b die Produktion von Eiweißen, die die Entzündung fördern.

Die IFN-b Produkte erscheinen unter dem Produktnamen

  • Avonex
  • Betaferon
  • Rebif

Glatirameracetat

Glatirameracetat (Handelsname Copaxone) ist ein synthetisches Eiweißgemisch, das einem Bestandteil der Isolierschicht der Nervenfasern ähnelt. Auch Copaxone gehört zur Gruppe der Immunmodulatoren. Es blockiert einerseits die schädlichen Immunzellen, andererseits fördert es die Aktivität regulierender Immunzellen, die im Gehirn entzündliche Reaktionen unterdrücken können.

Natalizumab

Natalizumab (Handelnsname Tysabri ) wird eingesetzt, wenn Interferone nicht wirken oder bei schubförmigem Verlauf der MS.
Der Wirkstoff hindert Immunzellen daran, ins zentrale Nervensystem einzudringen und Entzündungen zu verursachen. Alle 28 Tage wird das Medikament per Infusion in die Vene verabreicht. Während dieser Langzeit- und Monotherapie müssen die Medikamente für die Schubbehandlung nicht abgesetzt werden. Die Behandlung wird generell gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Harnwegsinfekte, allergische Reaktionen und Fieber. In wenigen Fällen kam es zur Bildung von Antikörpern gegen Tysabri, die die Wirkung beeinträchigten. Die Behandlung mit Tysabri unterliegt strengen Sicherheitsbestimmungen.
Laut klinischen Studien werden die Schübe durch dieses Medikament um zwei Drittel reduziert.

Immunsuppressiva

Wenn immunmodulierende Therapien nicht genügend wirksam sind, kommen folgende Immunsuppressiva zur Anwendung:

  • Mitoxandron
  • Azathioprin
  • Cyclophosphamid
  • Methotrexat

Es sind Medikamente, die ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt wurden. Sie drosseln das Immunsystem und werden nur bei einem sehr aggressiven Verlauf der MS als Präparate „zweiter Wahl“ eingesetzt.

Behandlung der MS bei progrendientem Verlauf ohne Schübe

Die bisher aufgeführten Medikamente für die schubförmige MS werden maßgeblich gegen die Entzündung des Nervensystems eingesetzt und zeigten in Studien mit chronisch-progredienter MS keine Wirkung.

Neurologen gehen davon aus, dass bei der chronisch-progredienten Verlaufsform der MS neurodenegerative (nervenzerstörende Prozesse) entscheidend sind und die entzündliche Komponente der Krankheit keine wesentliche Rolle spielt.

 

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