Familie
Die Diagnose MS hat nicht nur für den Betroffenen sondern für die ganze Familie weitreichende Folgen. Kaum eine andere Krankheit stellt für die Ehegatten, Kinder und Angehörige eine solch große Herausforderung dar wie diese Krankheit.
Da die MS meist jüngere Menschen betrifft, muss sich die Familie auf die Bewältigung einer langen Lebensphase mit der Krankheit einrichten.
Dabei erschweren die Unvorhersehbarkeit des Krankheitsverlaufs und die unterschiedlichsten Symptome der MS vorausschauende Planung und die konkrete Umstrukturierung des Familiensystems.
Für Ehegatten bedeutet der Ausbruch der MS häufig, dass die Rollen innerhalb der Familie neu verteilt und Aufgaben des Partners teilweise oder vollständig übernommen werden müssen.
Auch Kinder sind im hohen Maße vom Krankheitsgeschehen betroffen und müssen oft schon in jungen Jahren in die Alltagsorganisation und die Unterstützung des kranken Elternteils einbezogen werden.
Nach der Diagnose MS stellt sich bei vielen Betroffenen sehr schnell die Angst ein von einzelnen Familienmitgliedern abhängig zu werden oder diese auf Dauer zu überfordern.
Diese Befürchtungen können dazu führen, die Krankheitssymptome zu verheimlichen und in der Folge die eigenen Kräfte extrem zu beanspruchen und zu erschöpfen. Eine solche Haltung widerspricht dem wichtigsten Gebot des Umgangs mit der Krankheit:
Absolute Offenheit und Kommunikation über MS.
Nur das vertrauensvolle Gespräch kann der Angst und Verkrampfung einzelner Familienmitglieder entgegenwirken und den Frust und die Zurückweisung von Hilfe verhindern.
Der Betroffene muss deutlich aussprechen, wie viel und welche Art der Hilfe er wirklich braucht und annehmen kann.
Ältere Kinder und Jugendliche müssen klar informiert und mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut werden. Wenn man sie zum Mitdenken und zur Mitarbeit ermutigt, zeigen sie oft erstaunliche Reife und hohe Motivation (das ist eine alte pädagogische Erfahrung).
Auch den diffusen Ängsten der kleinen Kinder, die instinktiv merken, dass irgendetwas nicht mehr stimmt, muss man mit großer Offenheit und kindergerechten, verständlichen Erklärungen entgegenwirken.
Gelegentlich entwickeln Kinder sogar Schuldgefühle und fürchten, dass der betroffene Elternteil sterben könnte. Die augenfällige Tatsache, dass Vater oder Mutter nicht mehr richtig laufen können, löst oft große Beunruhigung aus.
Auch hier ist größtmögliche Offenheit unerlässlich und die Wahrheit weniger verstörend als furchterregende kindliche Phantasien.
Die Hauptverantwortung für das Familienleben muss immer bei den Eltern bleiben, denn Kinder sind von der Übernahme der Vater- oder Mutterrolle in jedem Fall überfordert.