Bildkollage mit Impressionen zur DMSG Berlin e.V.

Die DMSG-Berlin äußert sich auch zur Problematik „Öffentliche Citytoiletten in Berlin“…

Erhalt der City-Toiletten

Sehr geehrte Frau Senatorin Lompscher,

die berlinweit stark verunsichernde Diskussion um den Erhalt der City-Toiletten erreicht naturgemäß auch die Mitglieder, die Mitarbeiter und den Vorstand der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.

Angesichts der Aktivitäten des Berliner Senats zur Veränderung der Versorgungssituation mit öffentlichen Toiletten gibt es sehr große Unruhe unter den Menschen mit Multipler Sklerose in Berlin.

Stimmen aus unserer Mitgliedschaft:

„Da Behinderte zurzeit fast ausschließlich die Wall-Toiletten nutzen (sauber, gut und leicht zugänglich) und die ‚normalen‘ öffentlichen Toiletten nur der Exklusion von Menschen mit Behinderungen aus dem öffentlichen Raum dienen, wäre es meines Erachtens angebracht, wenn auch die DMSG-Berlin sich in diese Diskussion einmischt.“

„In der rbb-Abendschau am 23.02.2017 wurde mitgeteilt, dass der Senat den Vertrag für die City-Toiletten zum Jahresende 2018 gekündigt hat. Ich dachte sofort, das kann doch nicht wahr sein, denn ich benutze die City-Toilette oft mit dem Euro-Schlüssel und mag gar nicht daran denken, dass viele dieser Toiletten verschwinden werden.“

„Die durch die Fa. Wall gewarteten, barrierefreien City-Toiletten sind immer sehr sauber, nie defekt – also für mich eine sehr große Hilfe.“

In vielen Telefonanrufen drücken unsere Mitglieder ihre Besorgnis darüber aus, dass das veränderte Toiletten-Konzept des Berliner Senats einer grundsätzlichen Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung zuwider läuft und zu einer massiven Einschränkung ihrer Mobilität führt.

75 % bis 80 % der Menschen mit MS entwickeln im Verlauf der Krankheit eine neurogene Blasenfunktionsstörung, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Diese ohnehin schwere Beeinträchtigung unserer Mitglieder bei allen Außenaktivitäten, wird durch die Ungewissheit der Toilettensituation verstärkt und konterkariert alle Bestrebungen der gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft im Sinne der UN-Behindertenrechtskon-vention.

Die DMSG Berlin schließt sich den Forderungen des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung Herrn Dr. Schneider vollinhaltlich an und ersucht den Berliner Senat, dafür Sorge zu tragen, dass die Betroffenen Sicherheit darüber bekommen, wie sich die Situation der öffentlichen Toiletten zuverlässig entwickeln wird.

Dr. Schneider formuliert in seinem Schreiben an Sie sehr geehrte Frau Senatorin:

„Die herausragende Bedeutung funktionierender, inklusiver, barrierefreier öffentlicher Unisextoiletten für die Mobilität von Menschen mit Behinderung, die ihnen durch die Vergrößerung ihres Aktionsradius erst die Nutzung des öffentlichen Raumes ermöglicht und damit erst die Voraussetzung für ihre gesellschaftliche Teilhabe, vor allem aber für ihre tägliche Selbstversorgung schafft, wächst mit der demografischen Entwicklung.

Die Beauftragten sind deshalb auch der Überzeugung, dass es einer deutlichen Ausweitung von Toilettenstandorten bedarf. Eine weitere Verbesserung der Toiletten selbst und die Berücksichtigung von weiteren Faktoren, wie z. B. der Umweltverträglichkeit, lässt sich nach Überzeugung der Beauftragten auch mit dem bisherigen Betreiber erzielen, ebenso wie mehr Transparenz von Einnahmen und Ausgaben für das Land Berlin.

Für Menschen mit Behinderung wird aber das verlässliche, funktionierende barrierefreie Angebot das entscheidende Kriterium bleiben.“

Dem ist aus Sicht der DMSG Berlin nichts mehr hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen


PD Dr. Karl Baum

Vorsitzender
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft

Landesverband Berlin e. V.










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